Qualitätssicherung im Brandeinsatz -

müssen die Feuerwehren ihre Taktik ändern?

Winterschulung für Führungskräfte der Feuerwehren im Landkreis Oberallgäu

Oberallgäu/Sulzberg(tv) Mit der provozierenden Frage: Handeln wir "kundenorientiert" und was ist eigentlich unsere Aufgabe? Begann der vom Kreisfeuerwehrverband und der Jugendfeuerwehr Oberallgäu organisierte Vortrag, zur Minimierung von Schäden im Brandeinsatz. Als Referent zu diesem Thema hatte Kreisbrandrat Michael Seger und Kreisfeuerwehrjugendwart Hubert Speiser einen erfahrenen Fachmann engagiert. Der Berufsfeuerwehrmann und Leiter der Ausbildungsabteilung aus Karlsruhe, Herr Pulm, gilt als Querdenker in Sachen Einsatztaktik und stellt einige konventionelle Einsatzmethoden der Feuerwehren in Frage. Rund 250 Kommandanten, Ausbilder und Jugendwarte waren der Einladung zur Weiterbildung nach Sulzberg gefolgt. Michael Seger freute sich daher besonders über die fast geschlossene Teilnahme aller Führungskräften der Feuerwehren im Landkreis Oberallgäu. Das große Interesse zeigt auch, wie sehr sich die Feuerwehrfrauen und -männer um eine stetige Aus- und Weiterbildung bemühen.

 

Situationen im Einsatz erkennen und beurteilen, ist für die Einsatzkräfte sicherlich nichts neues. Dennoch muss man sich der Frage der Qualitätssicherung, Minimierung und Vermeidung von Schäden jeglicher Art stellen. Herr Pulm führte auch vor Augen, was es bedeutete, wenn nach einem Brand Schäden bilanziert werden. Dabei spielen nicht nur Schäden am Brandobjekt durch Löschwasser und Rauch eine Rolle, sondern auch der Ausfall von Betriebszeiten oder -unterbrechungen, die unter Umständen sogar Arbeitsplätze gefährden. Ziel muss es daher sein, die Gesamtschäden zu reduzieren, so der Referent.

Doch wie kann die taktische Vorgehensweise verbessert oder geändert werden? Hierzu stellt der erfahrene Berufsfeuerwehrler eigene entwickelte Thesen und Varianten auf. Sicherlich steht die Feuerwehr bei Menschenrettung unter erheblichem Zeitdruck und die Vorgehensweise muss ohne Rücksicht auf Bauschäden durchgeführt werden. Kann allerdings der Angriff verzögert werden und der Brand lokal eingegrenzt werden, besteht die Möglichkeit, über alternative Angriffswege eine Rauchausweitung auf weitere Räume zu begrenzen. Die Begrenzung der räumlichen Schadensausweitung reduziert den Schaden erheblich. Im Idealfall können angrenzende Räume wieder benutzt werden und die Sanierungskosten für kontaminierte Räume könnten gespart werden.

Herr Pulm hält den Feuerwehrfrauen und -männern einen "Spiegel" vor die Augen und meint: "Nehmen wir unsere Führungsaufgabe wahr?", "Nehmen wir uns die Zeit für die richtige Entscheidungen?", "Was ist bereits vernichtet?", "Gibt es noch etwas, was zu retten ist?", "Stehen die eingesetzten Mittel im Verhältnis zum Schaden?", "Und ist es zu vertretbar in solche einer Lage Einsatzkräfte zu gefährden?"!

Eine generelle Antwort wird es nicht geben, denn selten kann ein Brand mit einem anderen verglichen werden.

Neue Bautechniken und Materialien erfordern eine dynamische und stete Ausbildung. Dabei sei die Ausrüstung der Feuerwehren mit modernen Gerätschaften und Hilfsmitteln, wie zum Beispiel mit mobilen Rauchabschlüssen, unabdingbar. Ferner fordert der Berufsfeuerwehrmann, die Ausbildung der staatlichen Feuerwehrschulen entsprechend anzupassen.



2008-Winterschulung01
Das Bild zeigt Herrn Pulm beim Vortrag.

 

 

 

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